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Mitteldeutsche Zeitung:

Gitarrenduo Pia Grees und Matthias Kläger brillierte - Konzertpublikum war begeistert

Musikalische Kunstereignisse haben an sich ihre Einmaligkeit, besonders dann, wenn sie durch die Meisterschaft der Künstler selbst in diesen Rang erhoben oder gar zur Sensation werden. Das war in der Stunde der Musik in der Aula der Burgschule der Fall, als das Gitarrenduo Pia Grees und Matthias Kläger (Freiburg i.Br.) Gitarrenmusik mit einer Virtuosität und Vollkommenheit darbot, die im wahrsten Sinne des Wortes höchste Bewunderung auslöste.

Das klug zusammengestellte Programm beinhaltete im Wechsel Kompositionen alter und neuer bzw. zeitgenössischer Meister, so daß dem Konzertpublikum auch ein Einblick in das Ausbildungsprogramm der jungen Künstlergeneration ermöglicht wurde.

Was den Zuhörer von Anfang an faszinierte, war die Klangästhetik und die Anschlagskultur, die auf diesen zwei edlen Instrumenten (beide stammen von dem gleichen Instrumentenbauer) so vollkommen und klanglich homogen zum Ausdruck kamen. Die bei den meisten Kompositionen miteinander korrespondierenden Gitarrenparts waren im Duomusizieren so filigran verwoben, daß es nur visuell möglich war, diese mit äußerster Präzision "arbeitenden" zwanzig Finger zu verfolgen. Pia Grees und Matthias Kläger vermochten den insgesamt zwölf Saiten ihrer Instrumente Klangregister zu entlocken, die vom Orchesterklang bis zum zarten Hauch im Flageolett reichten.

Bekanntlich lebt ein gutes Programm vom Kontrast. Das wurde besonders in der Komposition "Anonyme XXe Siècle" des Franzosen Maurice Ohana deutlich, der aus der "Schola Cantorum" hervorging und zum Beispiel ein Zeitgenosse des berühmten Olivier Messiaen war. Dieses Werk stellte an beide Künstler höchste technische und gestalterische Anforderungen durch aleatorische und clusterartige Elemente.

Das Ascherslebener Konzertpublikum ist jedoch hörerfahren genug, solche Musik gar nicht so atonal zu empfinden, wie sie anfangs anmutete, wozu auch die Perfektion des Vortrags beigetragen hat. Wer hat schon gemerkt, daß bei diesem Stück beide Gitarren unterschiedliche Taktarten, Rhythmen und Tempi zu spielen hatten?

Nach der Pause erklang eine hinreißend schöne Komposition von Granados, der eine Tarantella mit Toccata von Petit folgte. Nur Meister ihres Instruments vermögen eine Tarantella so atemberaubend vorzutragen wie Pia Grees und Matthias Kläger. Ein langer Sonderapplaus war die Folge. Mit einer Reihe romantischer und poetischer Walzer klang eine Stunde der Musik aus, die zu den Sternstunden unseres Konzertlebens gehört.

Hubert Strauch, Mitteldeutsche Zeitung 23.1.1996

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