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Neue Württembergische Zeitung:

Zwei junge Künstler mit Vitalität und Eleganz
Das Freiburger Gitarrenduo Pia Grees und Matthias Kläger war im Kurhaus Bad Boll zu Gast

Das vorzügliche Konzert des Freiburger Gitarrenduos im Kurhaus Bad Boll war auch ein Augenschmaus. Zwei junge, hochtalentierte Künstler, die auch über Blick und Bewegung ein frappierendes Maß an Homogenität erreichen, das gute Kammermusikensembles auszeichnet; in der langen Reihe hochqualifizierter Gitarrenkonzerte in Boll brauchen sich Pia Grees und Matthias Kläger nicht zu verstecken - im Gegenteil: Man darf von einer echten Entdeckung sprechen und hoffen, daß die beiden nicht nur ein Geheimtip unter Kennern bleiben.

Feinabstimmung in Klang und Dynamik ließen die Interpretationen wie aus einem Guß erscheinen, zumal das Duo über die Fähigkeit verfügt, instinktiv sofort das richtige Tempo zu treffen: So entsteht Ausstrahlung, und der konnte und wollte sich das begeisterte Boller Publikum nicht entziehen, und manchem Gitarrenkenner unter den Hörern entlockte eine derartige Frische und Perfektion ein genießerisches Zungenschnalzen.

Wenn so vieles einfach "stimmt", ist es auch sicher leichter, den Spannungsbogen über das ganze Konzert bis zum Schluß durchzuhalten. Dies war von der Stückauswahl her nicht ganz einfach, denn Grees und Kläger hatten viele gleichartige Werke ausgewählt, gegliedert in zwei Gruppen: elegante raffinierte Romantik, zum Teil im spanischen Stil (Granados und César Franck) und pfiffige, rasante Miniaturen von Brouwer, Petit und Piazzolla.

Waren die Künstler in den romantischen Teilen manchmal etwas zu sehr ins Detail und in die Fermaten verliebt, so wurde doch alles sehr fein gestaltet, hatte man bei der Bearbeitung des bekannten Orgelwerkes "Prélude, Fugue et Variation" op.18 von Franck den Eindruck, daß das Werk durch die beiden Gitarren aus seiner distanzierten Steifheit erlöst worden ist und eine persönliche Gestalt bekommen hat. Auch die Klavierbearbeitungen von Granados (Valses Poéticos und Capricho Español op.39) waren so "gitarristisch", daß man, hätte man von der Bearbeitung nichts gewußt, auf typische Gitarrenstücke getippt hätte.

Eher vital und rhythmisch apart ging es bei Leo Brouwers Música Incidental Campesina und den "Fünf Micro Piezas" zu, prägnanten Miniaturen voller Spielwitz - man erinnere sich nur an die kessen Abwandlungen des Bruder-Jakob-Liedes! Vollends ins Virtuose führte die Toccata von Pierre Petit, und diese mehr intellektuelle Ebene erweiterte zum Schluß Astor Piazzollas Tango-Suite ins Gemüthafte - moderne Musik aus Fleisch und Blut!

Sicher kommen die beiden Freiburger Künstler wieder einmal zu ihren Fans nach Bad Boll; bis dahin könnte man ihre ganz ausgezeichnete CD mit Einspielungen dieses Konzertprogramms als Gedächtnisstütze benutzen!

Ulrich Kernen, Neue Württembergische Zeitung 1.6.1994


Gitarrenkunst in Vollendung

Differenzierter Ausdruck und Geschlossenheit des Zusammenspiels

Das Gitarenduo Pia Grees und Matthias Kläger gastierte im königlichen Festsaal des Kurhauses Bad Boll und man fragt sich: Was macht dieses Duo zu einem der besten in Deutschland?

Die Antwort ist einfach und kompliziert zugleich: Es ist die ungemein differenzierte Palette an Ausdrucksmöglichkeiten, die frappierende Geschlossenheit des Zusammenspiels und die stets noble Musikalität.

So erlebte man einen Abend mit vollendeter Gitarrenkunst. Im ersten Teil waren gleich drei Paraphrasen zu Opern von Rossini und Verdi zu hören. Das war schon ein bisschen viel desgleichen; dennoch war es vergnüglich, Bekanntes wieder zu entdecken im ungewohnten Gitarrengewande - manches sperrte sich dagegen, manches klang neu und durchaus überzeugend!

Das Duo traff stilsicher die rasch wechselnden Motive und deutete hier schon seine Hauptstärke an: die ungeheure Vielfalt an Klangfarben. Dazwischen schob sich das Divertissement opus 38 von Fernando Sor: leicht, locker, verspielt, aber dennoch präzise und perfekt musiziert - Pia Grees und Matthias Kläger trafen auf geniale Weise die Mitte zwischen Ernst und Heiterkeit, ein Stück, perlend wie Sekt!

Drei Lieder ohne Worte von Johann Kaspar Mertz eröffneten den zweiten Teil. Diese schlichten Charakterstücke wurden unter den Händen der beiden Künstler zu Kostbarkeiten, das Publikum lauschte hingerissen.

Vollends in seinen Bann schlug das Duo sein Publikum dann mit drei Tangos von Piazzolla, Bardi und Villoldo. Kraft, Wehmut und Feuer verbanden sich in diesen Kunstwerken, die die musikalische Tiefe des Tangos erahnen ließen.
Eine Sternstunde in der Konzertreihe Bad Bolls!

Ulrich Kernen, Neue Württembergische Zeitung 14.10.2003

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